Vom Drehbuch zur Produktion

Vom Drehbuch zur Produktion  – eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete!

Es ist das erste Mal, dass ich eine Produktion von Anfang an persönlich mit geplant und organisiert habe. Was ich dabei so alles gelernt habe und welche Tipps ich nun weiter geben kann, habe ich für euch zusammengefasst.

von Carolin Weiß

Mein erster Tag im Produktions-Praktikum war auch gleich der erste Tag vom „Drehbuch bis hin zur Produktion“. Wir saßen im Team (Redakteurin, Kamerafrau, Motion-Designer, Cutter, Drehbuch-Team…) gemütlich an einem Tisch mit Kaffe und Snacks, das Drehbuch war schon fertig. Es ging in die nächste Phase: wir möchten das Drehbuch lebendig werden lassen! Szene für Szene wurde durchgesprochen und wir überlegten, wie jede Einzelne aussehen kann. Wie wir den Wörtern Farbe und Leben einhauchen können, sodass aus Schwarz/Weiß Bunt wird . Man sagt ja bekanntlich, viele Köche verderben den Brei, jedoch ist in der Medienbranche alles etwas anders…

 1.) Schauspieler finden

Bildschirmfoto 2015-06-24 um 12.20.32Als erstes habe ich die Anfangs-Schritte kennen gelernt. Habe erfahren, was zu tun ist und was organisiert werden muss. Für mich hieß das im Klartext: meine erste Aufgabe war Schauspieler zu finden. Wenn man Schauspieler sucht, muss man natürlich vorab wissen, wen man braucht, was man bieten kann und was der Kunde sich wünscht. In diesem Fall ist das Budget nicht ausreichend gewesen um eine Castingagentur damit zu beauftragen. Also fing ich an über soziale Netzwerke einen Aufruf zu streuen: Wer hat Interesse für einen guten Zweck vor der Kamera zu stehen?? Natürlich habe ich auch nach Kleindarstellern und diversen anderen Möglichkeiten geguckt. Das ist etwas zeitaufwendig gewesen, hat sich aber gelohnt. Ich fand es sehr interessant und spannend zu sehen, wie unsere Ideen langsam aber sicher Gesichter bekommt. Dabei ist es keine schlechte Idee, sich Fristen und Ziele zu setzen. Um so größer ist dann die Freude wenn man es erreicht hat. 

2.) Location finden

Bildschirmfoto 2015-06-24 um 12.20.19Meine zweite Aufgabe bestand darin, Locations zu suchen. Wir brauchten für eine Szene eine Umkleidekabine, für eine andere ein Badezimmer, für die nächste einen jugendlichen Raum usw.. Wenn man ein paar geeignete Orte ausfindig gemacht hat, ist es vorteilhaft, diese zu besichtigen um offene Fragen abklären zu können, wie z.B. „Braucht man eine Drehgenehmigung?“ oder „Funktioniert der Ort, wie sieht er in der Realität aus?“,  „Ist genug Platz für die Technik, stimmt das drum herum?“,  „Wie natürlich wirkt alles, passt es zu dem, was man sich als Ziel gesetzt hat?“ Und dann natürlich die normale Organisation. Wann? Wer? Wo? Wie? Ein Glück konnten wir einige Szenen in privaten Wohnungen drehen und die Umkleide eines Ladens nutzen, bei dem die Besitzerin sehr entspannt und keine Unbekannte war. Das bewirkte von Anfang an eine vertraute und sichere Atmosphäre. Ich konnte also nach rund zwei Wochen ein Häkchen auch hinter diese Aufgabe machen.

3.) Musik finden

11205560_946361218737049_8664136665860223730_nJeder, der schon mal einen Film gesehen hat, weiss, was für eine enorme Rolle eine begleitende Musik hat. Die Musik bringt noch mal eine ganz andere Wirkung und Emotion ins Spiel. Sie ist eins der wichtigsten Werkzeuge, um den Zuschauer emotional einzufangen. Paradebeispiele sind  Horrorfilme, meist setzt erst die Musik ein und sofort weiss jeder O.K. jetzt kommt gleich der Bösewicht und alle sind in Gefahr. Oder Klassiker wie romantische Filme: Titanic. Wer kennt diesen Song nicht? Man hört die ersten Töne der Querflöten und sofort ist klar, in was für einer Situation man sich befindet. Klingt alles ganz easy. Schließlich weiss man, zu welcher Situation welche Hintergrundmusik läuft, oder etwa nicht? Wir haben uns für unsere Filme etwas gewünscht was neutral anfängt, dann etwas fröhlicher wird. Ich dachte erst, das kann ja nicht so schwer sein! Es gibt wohl schwierigere Jobs als Musik zu hören. ABER, man muss wesentlich mehr beachten. Angefangen bei den Rechten, über das Finanzielle bis hin zum perfekten Track. Dieser darf -wie ich lernen  musste- keine besonderen Höhen haben oder gewisse zu starke Instrumente. Davon abgesehen natürlich auch kein Gesang oder sonstige störende Inhalte, die ablenken und zu unruhig sind.

Natürlich variieren die Kriterien bei der Musikauswahl, es kommt auf den Verwendungszweck an. In unserem Fall gab es einen eingesprochenen Text, der mit der Musik und dem Video ein ganzes Bild ergeben sollte. Daher durfte der Text nicht vernachlässigt werden. Die Musik musste dazu passen und alles miteinander verbinden. Ich habe mir einige Titel raus gesucht, sie zusammen mit dem Video angesehen um erstmal ein Gefühl dazu bekommen, in welche Richtung es gehen soll. Am Anfang habe ich mehr als die Hälfte der Songs gleich wieder aussortieren können. Einer war zu gleichbleibend und klang nach gewisser Länge mehr nach einer Fahrstuhlmusik, der nächste veränderte sich im Laufe der Zeit zu sehr, andere hatten zu hohe Töne oder haben vom Tempo nicht gepasst. Irgendwann standen drei zur Auswahl und im Team haben wir dann entschieden, welcher es werden sollte. Ich bin damit sehr zu frieden, auch wenn ich heute diese Melodie immer wieder im Kopf habe 😛 Drei Tage Musikauswahl waren beendet. 

3.) Drehplan

Bildschirmfoto 2015-06-24 um 12.27.28Man muss sich sein Ziel immer wieder ins Gedächtnis rufen und darf es nicht aus den Augen verlieren. Bei jeder Entscheidung, die man fällt, hangelt man sich am Drehbuch entlang. Man darf sich nicht in einer Idee oder Aufgabe verlieren. Das A und O ist, sich immer wieder die W-Fragen zu stellen und regelmäßig zu überprüfen, ob man noch auf Spur ist. Dafür ist es sehr praktisch, sich an einem gewissen Punkt einen Drehplan zu erstellen. Das erleichtert hinterher enorm die Arbeit. Es kann nur dann gut funktionieren, wenn jeder seine genauen Aufgaben kennt, alles klar organisiert und vorbereitet ist. Bei wirklich jedem Dreh gibt es schon genug ungeplante Herausforderungen. Um diese möglichst gering zu halten und allen die Arbeit zu erleichtern, ist es daher nur zu raten, möglichst auf alles vorbereitet zu sein. Sich im Detail zu überlegen was man alles benötigt (Requisiten, Technik..) und was man vorbereiten muss.

Fazit

Es steckt wesentlich mehr dahinter, als gewöhnlicher Zuschauer ist einem gar nicht bewusst wie viel im vorher vorbereitet werden muss. Ich finde es echt spannend, was hinter der Kulisse so passiert und was man so beachten muss. Nur weil man ein Drehbuch hat, heißt das noch lange nicht, dass man sofort loslegen kann. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, Entscheidungen mit-treffen zu dürfen und zu sehen, wie unsere Ideen verwirklicht werden und aus einem Stück Papier langsam ein richtiger Film entsteht…

 

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